Alpenblick

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Auch in großen Räumen bietet die Temperierung der Hüllflächen Vorteile. Gerade in verschmutzungsgefährdeten Kirchen, Sälen und Museen schont eine richtig eingesetzte Hüllflächentemperierung den Bestand mit geringen Baueingriffen und Betriebskosten.

Vorteil der Temperierung in bautechnischer Hinsicht:

Die Hüllflächentemperierung mindert die Kosten für Trockenlegung, für ständige Erneuerung der Raumschale, für Dauerreparatur der Sockelzone, für Heilung der an wertvollen Ausstattungsstücken entstandenen Heizschäden bis zum Schädlingsbefall im systematisch überfeuchten Holzinventar. Nur ein temperiertes Bauwerk ist gegen den Dauerstress aus jahreszeitlich und durch Besucher verursachte Feuchte- und Temperaturschwankung sicher geschützt.

Historische Kirchenbauten mußten als Low-tech-Bauten ohne Heizung auskommen. Das nutzungsbedingte Kondensat konnte bis zu einem gewissen Grad unschädlich an den Einfachgläsern als Sollkondensator abgefangen werden. Jedoch nur so lange, wie diese kälter als die Raumschale waren.

Und dies war ja nicht immer der Fall:

im Frühjahr erwärmte die Sonne die Scheiben, die feuchtwarme Frühlings- und Sommerluft hielt Einzug - und durchfeuchtete die kalt verbliebende Raumschale.

Die Komfort-Modernisierungen der jüngeren Baugeschichte wurden leider ohne Berücksichtigung der Raumklimaverhältnisse durchgezogen und haben eine Kettenreaktion von Bauschäden nachgezogen:

Erst kam die Ofen- dann die Bankheizung mit Lufterhitzung. Das Kondensat konnte immer noch am Einfachfenster abkondensieren. Die unangenehmen Zugerscheinungen des lufterhitzenden Heizsystems wurden dann aber als Fensterproblem mißgedeutet - teure Doppelfenster/Isoscheiben hielten Einzug in den Kirchenbau.

Folge:

Nun kondensierte die aufgefeuchtete Raumluft (Feuchtequelle: Gottesdienstbesucher) noch weitaus mehr in unterkühlte Inventar-, Orgel-, Wand- und Deckenbereiche als sonst. Das gab verstärkt Verstaubung, Schmutzkruste, Schimmel, Hausschwamm- und Holzwurmbefall.

Allfällige Renovierungsintervalle nicht 50 Jahre wie zur Low-Tech-Zeit, nein:

alle paar Jahre wird man heutzutage der heizstaubvergrauten Raumschale überdrüssig.

Eine sinnvoll angeordnete Hüllflächentemperierungsanlage als sinnvolle Technikalternative zur Erhöhung des Nutzungskomforts bestrahlt vorwiegend die wärmebedürftigen Zonen, in denen sich die (winterbekleideten) Menschen/Besucher aufhalten. Das Bauwerk und sein Inventar wird dabei nicht geschädigt, sondern konservierend geschützt.

Wärmestrahlung der Hüllflächentemperierungsanlage erwärmt als elektromagnetische Welle nur die angestrahlten Körper und wird schon von einfachem Fensterglas nicht durchgelassen, sondern an der inneren und äußeren Übergangszone je nach Auftreffwinkel der Wärmestrahlung mehr oder weniger reflektiert oder absorbiert - mit anschließender Emission auch zurück in den Raum. Wobei das Einfachfenster mit seinem erhöhten Solardurchlaßgrad, seinem guten Fugendurchlaßgrad und seiner Sollkondensatfunktion obendrein für erhöhten Solarenergiegewinn und dauerhaft reduzierte Raumluftfeuchte eigentlich die perfekte - und preisgünstige Energiesparkonstruktion bietet. Vor allem, wenn eine Strahlungsheizung ohne Raumluftkonvektion den Wärmeübergang zwischen Luft und Glas auf das marginalste und unspürbarste vermindert.

Durch Strahlungsausgleich - in Lichtgeschwindigkeit - werden bei einer Strahlungsheizung die Raumflächen rundum temperiert. Das spart auch und besonders im Großraum Energiekosten, die bei Konvektionsheizungen nach oben verpuffen bzw. mit der Warmluft nach außen pfeifen. Die wärmestrahlenden Heizleitungen der Temperierung von Großräumen sind ja nur in der Sockelzone, in die Bodenfläche und auf Brüstungs- sowie Emporenebene angeordnet.

Die lokale Deckung des Wärmebedarfs mit geschickt und bestandsschonend angeordneten Strahlungselementen ist dabei regelmäßig wirtschaftlicher, als die Totalbeheizung der Raumluft mit allen schädigenden Folgen für die Raumschale. Sowohl was die Betriebskosten wie auch die Instandhaltungsintervalle betrifft.

Die "zurückhaltende" Hüllflächentemperiertechnik kann die Raumluft nicht in Schwung versetzen. Der objektive Wärmebedarf bleibt so geringer als bei zugigen Luftheizungen. Mit Kirchenraumtemperaturen von 6 Grad bei außen minus 20 Grad liefert so die Strahlungsheizung ein subjektiv besseres Behaglichkeitsgefühl als bei 8 Grad mit zugiger Luftheizung. Das gilt ja sinngemäß auch für die Verhältnisse im Wohnraum.

Daß damit zumindest im Museum auch das Ende der aufwendigen Klimaanlagen, die ja nur auf Luftbehandlung beruhen, eingeläutet wird, ist schon als Trend erkennbar. Die Kirchen werden wohl zwangsläufig folgen.